August: Vincent Van Duysens behutsame Umwandlung eines Antwerpener Klosters
Ein ehemaliges Kloster gibt dem August etwas, das sich in keinem Materialverzeichnis festlegen lässt: ein ausgeprägtes Gefühl für die frühere Nutzung. Vincent Van Duysen Architects verstanden die Umwandlung in ein Hotel als Arbeit mit diesem überlieferten Charakter. Das 2019 in Antwerpen fertiggestellte Projekt schafft Raum für zeitgemäße Gastlichkeit und lässt zugleich die alten Gebäude lesbar bleiben.
Das Kloster gehörte zu einem Militärkrankenhauskomplex des 19. Jahrhunderts, in dem Augustinerinnen Soldaten pflegten. Die Umnutzung umfasste fünf Gebäude und drei Gärten. Die Restaurierung erfolgte mit Callebaut Architecten; das neue Programm beinhaltet 44 Gästezimmer. Für den Innenraum sind diese Tatsachen wesentlich, denn hier wartete nie ein einzelnes leeres Volumen auf ein Dekorationskonzept. Es war eine Sammlung von Räumen mit unterschiedlichen Proportionen, Graden der Förmlichkeit und historischen Aufgaben. [1] [2]

Die Kapelle wird zum Ort der Begegnung
Die frühere Kapelle nimmt heute Bar und Lounge auf, während das Restaurant in einem verglasten Wintergarten liegt. Der Unterschied zwischen beiden Räumen eröffnet dem Hotel ein sinnvolles Spektrum an Erfahrungen. Der eine wird von der Präsenz eines früheren zeremoniellen Ortes bestimmt, der andere steht in engerer Beziehung zu Tageslicht und Landschaft. Es besteht kein Grund, beide in dieselbe visuelle Sprache zu zwingen.
In der eigenen Projektdarstellung des Hotels bezeichnet Van Duysen die Verbindung der Gebäude unter Denkmalschutzauflagen als zentrale Herausforderung. Er spricht außerdem über die Restaurierung gemusterter Bodenfliesen und darüber, Komfort zu schaffen, ohne eine bereits charakterstarke Architektur zu überladen. Darin liegt ein hilfreicher Schlüssel zum Ergebnis: Der neue Innenraum muss den Charakter des Gebäudes unterstützen und ihm zugleich heute einen verständlichen Zweck geben. [1] [2]

Eine präzise Unterscheidung zwischen Alt und Neu
Das Studio beschreibt eine Palette aus graugrünen Holzverkleidungen und weißen Profilen, ergänzt durch ausgewählte schwarze Elemente als Zeichen zeitgenössischer Eingriffe. In den öffentlichen Bereichen behalten restaurierte Profile, Türen, handbemalte Fliesen und Marmor ihre Bedeutung. Statt den Eindruck zu erwecken, alles sei original, lässt der Entwurf unterschiedliche Zeitschichten sichtbar nebeneinander bestehen.
Diese Unterscheidung ist in der Hotellerie besonders nützlich. Gäste benötigen die praktische Klarheit eines heutigen Hotels, doch ein Teil des Reizes einer Umnutzung liegt in der Begegnung mit dem früheren Leben des Gebäudes. Ein zurückhaltender Kontrast kann beides bieten. Er vermeidet den Eindruck eines neu angefertigten historischen Interieurs, ohne jede neue Ausstattung zum isolierten Statement zu machen. [1]

Möbel, die zum Gebäude gehören
Van Duysens August-Sitzmöbel für Serax wurden mit Blick auf das Kloster entworfen. Die vom Designer dokumentierte Herstellerkooperation verbindet eine reduzierte Form mit großzügigen Sitzproportionen und pulverbeschichtetem Aluminium für den Außenbereich. Wichtig ist, wie ein Projekt eine eigene Möbelsprache hervorbringen kann: Die Stühle übertragen eine architektonische Idee an die Orte, an denen Menschen sitzen, warten und sprechen.
Zum umfassenderen Hotelkonzept gehören außerdem eigens entwickelte Leuchten und Möbel; das Studio nennt Flos und Molteni. Diese Elemente ordnen sich in eine Hierarchie ein, statt gleichberechtigt um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Die vorhandene Architektur setzt den Rahmen, zeitgemäße Objekte machen diesen Rahmen angenehm nutzbar. [1] [3] [4]

Der Garten vervollständigt den Innenraum
Die Gärten von Martin Wirtz erweitern die Folge gemeinschaftlicher und zurückgezogener Räume. Die Projektbeschreibung unterscheidet einen ummauerten Hauptgarten, einen intimeren Bereich nahe der Grotte und einen privaten Garten beim Spa. Innenarchitektonisch betrachtet sind dies mehr als Angebote außerhalb der Mauern: Sie ermöglichen einen anderen Rhythmus und zusätzliche Rückzugsorte.
August zeigt, wie eine Umnutzung durch die Beziehungen zwischen Räumen überzeugen kann, statt durch eine einzelne Signaturgeste. Seine Identität beruht auf einer wohlüberlegten Folge von Ankommen, Zusammenkommen, Privatheit und Aufenthalt im Freien. Die überzeugendste Entwurfsentscheidung ist, jedem Teil der alten Anlage eine eigene Stimme zu lassen. [1] [2]





























































Kommentare