
The Relic Shelter | Fuzhou Tea House von Neri&Hu: ein Dialog über Jahrhunderte
Im historischen Zentrum von Fuzhou in China hat Neri&Hu ein außergewöhnliches Zeugnis der Wohnarchitektur in ein betont zeitgenössisches Gebäude eingefügt. The Relic Shelter | Fuzhou Tea House ist um ein versetztes Holzwohnhaus im Hui-Stil konzipiert, das einst mit einem hochrangigen Beamten der Qing-Dynastie verbunden war. Statt die historische Struktur als Kulisse zu nutzen, macht das Studio sie zum räumlichen und kulturellen Herzen eines neuen Begegnungsortes.

Ein Gebäude als Artefakt in der Stadt
Das Projekt beginnt mit der Idee der Bewahrung durch Rekontextualisierung. Ein Holztragwerk mit aufwendigen Verbindungen und geschnitzten Details wurde aus Anhui gebracht und in Fuzhou wieder aufgebaut. Die neue Hülle imitiert weder seine Epoche noch verbirgt sie den Wechsel von Ort und Zeit. Sie etabliert eine andere architektonische Sprache um das hölzerne Relikt und macht Alt und Neu gleichermaßen lesbar.

Ein Kupferdach über einem erdigen Sockel
Von der Straße aus trägt ein niedriger Stampfbetonsockel einen markanteren kupferverkleideten Baukörper. Die Komposition setzt Schwere und Leichtigkeit bewusst in Gegensatz und vermittelt sowohl Schutz als auch das Gefühl einer über ihrer Umgebung schwebenden Struktur. Wasser und Landschaftselemente mildern die Grenze zwischen Straße, Gebäude und Ankunft.

Diese Gegenüberstellung erinnert an Fuzhous weitere Kulturlandschaft, deren Flussarchitektur und historische Formen Material für Neuinterpretationen liefern. Der Bezug ist konzeptionell statt stilistisch; Neri&Hu kopiert keinen alten Tempel und kein Wohnhaus. Vielmehr wird das Erbe zu etwas, dem man innerhalb einer zeitgenössischen Raumfolge begegnet.

Das Holzwohnhaus als innerer Raum
Besucher betreten eine große Halle, die die erhaltene Holzkonstruktion aufnimmt. Ihre Stützen, Balken und komplexen Verbindungen bleiben von mehreren Ebenen aus sichtbar. Neue Plattformen und Schirme definieren darum herum Nutzungen rund um Tee, ohne das Artefakt zu überwältigen. Die Möbel sind bewusst zurückhaltend, damit Proportionen und Textur der ursprünglichen Struktur das visuelle Hauptinteresse tragen.

Das Bild einer alten Struktur in einer neueren Hülle stellt die vertraute Trennung zwischen Architektur und musealer Präsentation infrage. Das Relikt ist nicht nur hinter Glas geschützt: Es organisiert auch die Wege und die Atmosphäre des Teehauses. Besucher begegnen ursprünglicher Zimmermannskunst im menschlichen Maßstab und erkennen später, wie ihre Verbindungen ein größeres Tragwerk bilden.

Licht durch Öffnungen und Schichten
Lichtschächte führen Tageslicht tief ins Innere. Im Zwischengeschoss trennt eine schmale durchgehende Öffnung ein Metalldach von seiner tragenden Basis, ermöglicht durch kupferverkleidete Fachwerkträger. Das umlaufende Lichtband verändert die Beziehung des Raums zum Dach, lässt die Hülle leichter erscheinen und zeigt zugleich Details des benachbarten historischen Holzwerks.

Im Untergeschoss enthält ein zweiter Ankunftsbereich eine Rotunde und Verkostungsräume. Über der Rotunde liegt ein Oculus unter einem Hofbecken und filtert das Sonnenlicht durch Wasser. So entsteht gegenüber der monumentalen Halle ein atmosphärischer Maßstabswechsel: ein gefasster Ort, an dem Bewegung, Reflexion und das Teeritual eng verbunden sind.

Materielle Erinnerung und Gastlichkeit
Kupfer, Beton, erhaltenes Holz und dosiertes Licht schaffen eine Materialpalette, deren Reichtum untrennbar mit Zeit verbunden ist. Der markanteste Entwurfsgedanke liegt nicht allein in seltenen Materialien, sondern darin, wie der Neubau das geschnitzte Holzwohnhaus rahmt, ohne seinen ursprünglichen Kontext vorzutäuschen. Das Teehaus plädiert durch architektonischen Kontrast für adaptive Wiederverwendung.

Projektdetails und Fotograf
Projekt: The Relic Shelter | Fuzhou Tea House. Standort: 95 Longting Road, Bezirk Gulou, Fuzhou, China. Architektur und Innenarchitektur: Neri&Hu Design and Research Office, geleitet von Lyndon Neri und Rossana Hu. Projektfläche: etwa 1.800 m². Fertigstellung: 2021. Projektfotografie: Hao Chen, auch als Chen Hao genannt. Alle zehn Fotografien dieses Artikels stammen aus Neri&Hus offizieller Projektgalerie.


























































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