
Jean-Georges at Three on the Bund von Neri&Hu: Shanghais Beaux-Arts-Schichten restauriert
Die Rückkehr zu einem bedeutenden Gebäude Shanghais
Jean-Georges at Three on the Bund nimmt einen wichtigen Platz in Shanghais Geschichte der gehobenen Gastronomie ein. Das Restaurant wurde durch den vom Architekten Michael Graves geleiteten Umbau von 2004 Teil der zeitgenössischen Identität des Gebäudes. Als Neri&Hu zur Neugestaltung eingeladen wurde, hatte der Auftrag eine persönliche Bedeutung: Lyndon Neri und Rossana Hu hatten unter Graves am früheren Projekt gearbeitet und kehrten nun zurück, um den Raum aus der Perspektive ihres eigenen Büros neu zu betrachten.
Die Gestalter suchten nach einer neuen Atmosphäre, die leichter und offener wirken sollte als der frühere Charakter eines Herrenclubs. Statt die Geschichte des Gebäudes zu verwerfen, suchten sie beim Umbau nach älteren architektonischen Schichten, die unter aufeinanderfolgenden Ergänzungen verborgen lagen.
Die Beaux-Arts-Grundlage restaurieren
Das bestehende Gebäude stammt aus dem Jahr 1916 und bewahrt Elemente der Beaux-Arts-Gestaltung. Neri&Hus Umbau begann mit einer sorgfältigen Untersuchung dieser erhaltenen Details, darunter dekorative Stuckprofile und Gesimse. Wo Teile fehlten, wurden entsprechende Profile restauriert oder ergänzt, damit die Räume wieder einen stimmigen historischen Charakter erhielten.
Diese Arbeit schuf eine Grundlage für zeitgenössische Eingriffe. Restaurierung bedeutete nicht, das Restaurant auf einen einzigen, vermeintlich perfekten Zeitpunkt seiner Geschichte zurückzuführen, sondern die überlieferte Bausubstanz als Teil eines neu genutzten Innenraums sichtbar zu machen.
Wiederentdeckte Bogensäulen am Empfang
Während des Rückbaus wurden zuvor verdeckte klassische Bögen im Empfangsfoyer freigelegt. Die Architekten entschieden sich, die Säulen sichtbar zu lassen, einschließlich der Oberflächenunterschiede, die ihr Alter vermitteln. Diese Elemente rahmen nun das Ankommen und erinnern daran, dass das Restaurant zu einem Gebäude gehört, dessen Geschichte weit über seine heutige gastronomische Nutzung hinausreicht.
Die Entscheidung, die ursprünglichen Formen freizulegen statt zu verdecken, gibt dem Eingang einen starken architektonischen Schwerpunkt. Zeitgenössische Einbauten stehen neben den erhaltenen Details, ohne deren Alter nachzuahmen, sodass die unterschiedlichen Epochen erkennbar bleiben.
Antike Spiegel und Ausblicke über den Bund
Nahe den historischen Fenstern tragen antike Spiegel Auszüge aus französischen philosophischen Schriften. Sie bringen sowohl eine grafische Ebene als auch wechselnde Reflexionen des Raums ein. Diese Kombination regt die Gäste an, die historischen Materialien wahrzunehmen und zugleich die gegenwärtige Nutzung des Raums zu erkennen.

Die Fenster zum Bund und zur Skyline von Pudong sind wesentlich für das Erlebnis. Das Projekt behandelt die Stadt als etwas, das gerahmt und gespiegelt wird, statt als vom Speiseraum getrennte Kulisse. Spiegel und verglaste Trennwände schaffen wechselnde Beziehungen zwischen Innenraum und Ausblicken.
Präzise eingefügte zeitgenössische Messingvolumen
Vor dem restaurierten Stuck und den Holzdetails platziert Neri&Hu eine Reihe moderner, messingverkleideter Raumkörper. Ihre Geometrie ist klar zeitgenössisch und unterscheidet sie von der überlieferten Bausubstanz. Die Einbauten beherbergen Loungebar, Schauküche, Toiletten und private Speiseräume und ordnen mit neuer Konstruktion die heutige Nutzung.
Die Metallstrukturen bieten einen praktischen Rahmen für Service und Privatsphäre, ohne den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu verdecken. Ihre Oberflächen bringen Wärme und einen zurückhaltenden Luxus ein, besonders im Zusammenspiel mit den helleren Oberflächen des restaurierten Raums.

Transparenz, Reflexion und Privatsphäre
Spiegelflächen und Glas mit Transparenzverlauf variieren die Offenheit der Messingelemente. Manche Bereiche lassen Aktivitäten dahinter erkennen, andere schaffen eine weichere Trennung. Diese gesteuerte Transparenz vermeidet es, das Restaurant in eine starre Folge vollständig geschlossener Boxen zu unterteilen.
Das Verhältnis von Reflexion und Sichtachse verleiht dem großen Innenraum zusätzliche Vielschichtigkeit. Je nach Sitzplatz kann der Blick historische Säulen, moderne Messingflächen, benachbarte Gäste oder die Skyline draußen erfassen. Die architektonische Erzählung verändert sich mit der Bewegung.
Eine leichtere Form gehobener Gastronomie
Der erneuerte Innenraum ersetzt schwere Förmlichkeit durch ein feineres Gleichgewicht von Material und Licht. Die Restaurierung verleiht historische Tiefe, während die Einbauten aus Messing und Glas die Funktionen eines modernen Restaurants unterstützen. Die Raffinesse des Entwurfs entsteht aus dem Verhältnis dieser Schichten und nicht allein aus Ornament.

In einem bedeutenden kommerziellen Wahrzeichen Shanghais zeigt das Projekt, wie die Architektur gehobener Gastronomie kulturelle Kontinuität unterstützen kann. Die Gäste erleben ein Restaurant, das Teil einer sich wandelnden Stadt ist und zugleich in der konkreten Materialgeschichte seines Gebäudes verwurzelt bleibt.
Kulturerbe als aktiver Teil zeitgenössischer Nutzung
Jean-Georges at Three on the Bund zeigt, wie ein behutsamer Umbau eine neue Identität schaffen kann, ohne das Vorangegangene auszulöschen. Neri&Hu greift auf die Architektur von 1916 zurück, würdigt einen bedeutenden Eingriff von 2004 und fügt eine klar zeitgenössische, 2016 vollendete Schicht hinzu.

Das Ergebnis ist ein Speiseraum, der mehrere Epochen zugleich vermittelt. Die historische Hülle, die modernen Serviceeinbauten und die gespiegelte Skyline wirken zusammen und machen das heutige Leben des Restaurants zu einem Teil der fortlaufenden Geschichte des Gebäudes.
Projektinformationen und Bildnachweise
Projekt: Jean-Georges at Three on the Bund. Adresse: vierte Etage, 3 Zhongshan East First Road, Bezirk Huangpu, Shanghai, China. Innenarchitektur: Neri&Hu Design and Research Office für Küchenchef Jean-Georges Vongerichten. Ursprünglicher Umbau von Three on the Bund: Michael Graves. Bruttofläche: 850 m². Fertigstellung: April 2016. Fotografie: Pedro Pegenaute. Jedes Foto trägt den Bildnachweis in seiner Bildunterschrift. Das Projekt erhielt 2017 einen Asia Pacific Interior Design Award.

























































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