
Gagosian Bustes de Femmes von India Mahdavi: Farbe als Szenografie in Paris
2020 feierte Gagosian ein Jahrzehnt seiner Galerie im Zentrum von Paris mit Bustes de Femmes, einer Ausstellung über Frauendarstellungen in Malerei, Skulptur und Fotografie. India Mahdavi wurde eingeladen, die Szenografie zu gestalten und den Arbeiten von Künstlern unterschiedlicher Epochen und Disziplinen ein lebhaftes architektonisches Gegenüber zu geben. Der Auftrag knüpfte an eine gemeinsame Geschichte an: Mahdavi hatte bereits 2010 zur ersten FIAC-Präsentation der Galerie beigetragen. So wurde das Jubiläum zum Anlass, die Beziehung zwischen Kunst, Farbe und Präsentation erneut zu betrachten.

Die Galeriewand wird zur aktiven Beteiligten
Für diese Ausstellung behandelte Mahdavi Farbe als Fläche, die Kunstwerke rahmen kann, und nicht als Mittel, den Raum physisch zu modellieren. Ihr eigenes Projektarchiv beschreibt diesen Unterschied deutlich. Statt weiße Wände als einzig akzeptablen Hintergrund vorauszusetzen, gab der Entwurf jedem Werk einen farblichen Kontext. Die Auswahl sollte die Palette der Kunst nicht nachahmen. Sie sollte ergänzende Beziehungen herstellen und Unterschiede zwischen den Werken hervortreten lassen.

Flowers: Eine Interieurpalette in einer Kunstausstellung
Die offizielle Darstellung der Galerie nennt Farbtöne aus Mahdavis Farbkollektion Flowers von 2019 als zentral für die Installation. Diese Farben brachten Wärme und visuellen Rhythmus in die Räume; weiße Abschnitte wirkten als bewusst gesetzte Pausen in der Abfolge. Eine solche Strategie verändert das Tempo der Besucher. Beim Wechsel zwischen gesättigten Flächen und ruhigeren Intervallen wird das Auge eingeladen, sowohl das Kunstwerk als auch den Raum wahrzunehmen, der es sichtbar macht.

Porträtkunst und ein erweiterter Begriff von Darstellung
Bustes de Femmes zeigte moderne und zeitgenössische Auseinandersetzungen mit der weiblichen Figur in unterschiedlichen künstlerischen Sprachen. Diese Bandbreite schuf ein anspruchsvolles kuratorisches Umfeld: Einzelne Werke brauchten Raum für ihre eigenen Geschichten und Deutungen. Die Szenografie stellte Kontinuität her, ohne darauf zu bestehen, dass alle Werke einem einzigen visuellen Stil angehörten. So half der architektonische Rahmen, eine Gruppenausstellung zusammenzuhalten, deren Kraft zum Teil in ihren Gegensätzen lag.

Physische und virtuelle Ausstellungsgestaltung
Gagosian plante neben der Pariser Installation auch eine digitale Präsentation. Dieses Detail verortet das Projekt in einem breiteren Wandel der Ausstellungspraxis, bei dem ein räumliches Konzept sowohl mit physisch anwesenden Besuchern als auch mit einem Publikum kommunizieren muss, das seiner Dokumentation begegnet. Mahdavis entschiedene Farbwahl schafft über diese Zugangsformen hinweg eine wiedererkennbare visuelle Identität, während die Werke der Anlass beider Begegnungen bleiben.

Eine Fallstudie in ausdrucksstarker Zurückhaltung
Das Aufschlussreichste an Bustes de Femmes ist nicht die Intensität seiner Farbe, sondern deren Disziplin. Die Installation zeigt, dass eine Gestalterin einen starken Standpunkt einbringen kann, ohne eine kuratorische Argumentation zu überwältigen. Farbe vermittelt hier zwischen Kunstwerken, und die Galerie wird zu einem sorgfältig komponierten Interieur, dessen architektonische Urheberschaft im Dialog mit der Ausstellung bleibt.
Projektbeteiligte und Referenzen
Ausstellung: Bustes de Femmes, Gagosian Paris, 2020. Szenografie: India Mahdavi. Fotografie: Thomas Lannes, mit freundlicher Genehmigung von Gagosian. Die Kunstwerke bleiben Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.
Primärquellen: https://gagosian.com/exhibitions/2020/bustes-de-femmes-paris-10th-anniversary-exhibition/ | https://india-mahdavi.com/en/projects/interiors/74-gagosian-buste-de-femmes | https://www.architecturaldigest.com/story/india-mahdavi-gagosian-paris-10th-anniversary

























































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